gelebte Demokratie oder doch das Scheitern selbiger - der Fall Italien

Italien gehört zu einem der wichtigeren Staaten des europäischen Projektes und hat sich nach Jahren der Reformen hin zu einem stabileren Budget und Staatshaushalt durch eine Expertenregierung unter Monti erneut einer Wahl zur Regierungsbildung gestellt.

 

Das Ergebnis ist Ausdruck des Volkswillens und damit auch schon wieder zur Kenntnis zu nehmen. Erschütternd bleibt dabei die Stimmverteilung der einzelnen angetretenen Parteien und vor allem Köpfe.

Ein integerer Kapitän läuft scheinbar, wie zu Zeiten der alten Schifffahrt, immer wieder Gefahr, einer Meuterei zum Opfer zu fallen. 

Diese Meuterei gab es auch am vergangenen Wahltag in Italien, denn wenn es in den Kammern Leute wie Silvio Berlusconi und Beppe Grillo zu einer verblüffenden Stimmenkumulation schaffen, dann stellt sich die Frage als Freund einer gelebten Demokratie was denn dieses Recht einer verantwortungsbewussten Mitgestaltung wert ist und wie sorgsam damit umgegangen wird.

Berlusconi gilt als Schreck junger Damen, genauso wie als Albtraum der smarten Damen und Herren innerhalb der EU. Als mehrfach gerichtlich verurteilter und Verfolgung bedrohter Milliardär und ehemaliger Präsident hat er wiederholte male bewiesen, dass er der Herr zahlloser gebrochener Versprechen ist. Darüber hinaus scheint Ihm die Nähe zur Mafia in der Sympatie der zahlreichen Anhänger keinen Abbruch zu tun!

Beppe Grillo wiederum findet als Komiker in diesem Possentheater eine willkommene Bühne, und wird konzeptlos und in voller Absage Verantwortung übernehmen zu wollen zum Helden der Wahl "gevotet"! 

 

Es ist dieses Wahlergebnis aus meiner Sicht nicht nur eine durch das italienische Wahlrecht konstruierter Stillstand, sondern es ist vielmehr eine Bankrotterklärung der Vernunft!

Der Komiker Beppe Grillo wurde von jedem vierten Italienischen Wähler und Wählerin mit einer Stimme bedankt. Armin Wolf verglich diesen auf österreichische Verhältnisse umgelegt als Mischung aus Roland Düringer und Frank Stronach. Dieser Wählergruppe könnte man noch ein Protestverhalten und Unwissenheit zu Gute halten - bei den nahezu 30% Wählern von Berlusconi fallen mir adhoc keine "mildernden Umstände" ein.

 

Das System der Demokratie ist in abgewandlter Form in der griechischen Antike als Regierungsform von den Athenern in der Zeit Kleisthenes (508/507 v.Chr.) entwickelt worden. Der Untergang wird mit dem Tod Alexanders des Großen (322 v.Chr.) datiert. Damals konnten lediglich 15% der Bevölkerung an diesem Prozess teilhaben und dennoch hat sich das System nicht gehalten.

 

Wir sind angesichts der Lichtgestalten wie Berlusconi und deren Zustimmung meilenweit davon entfernt, Platon´s Philosophenkönige als Regenten und besonnene Gestalter der Staatsgeschicke zu haben und das sollte zumindest zu Denken geben, wie es um die Demokratie als Wert bestellt ist.

 

Es bleibt damit die Hoffnung, dass Italien dennoch eine handlungsfähige Regierung bekommt, eine, die sie sich angesichts dieser Wahl nicht verdient hätte.

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